Sommerreifen - Winterreifen - Ganzjahresreifen - Tipps zum passenden Reifen

Wo liegen die Unterschiede?

Das Auto ist und bleibt des Deutschen liebstes Kind. Die Reifen- und Auto-Zubehörindustrie setzt Milliarden um, dabei helfen ihr eingängige und gebetsmühlenartig wiederholte Slogans und Weisheiten. Gerne werden diese vermeintlich schlüssigen Regeln an Stammtischen als Expertenwissen zum Besten gegeben und vielfach übernommen. Das Problem ist nur: viele davon sind reine Propaganda und weder geprüft noch bestätigt.

Besonders beliebt ist das folgende "Expertenwissen" zum Thema "Richtige Reifen".

 

Beim Kauf neuer Sommerreifen habe ich Anspruch auf kürzlich hergestellte Ware.

Viele selbsternannte Autoexperten kennen die sogenannte DOT-Nummer auf Fahrzeugreifen, die Auskunft über das Herstelldatum gibt. Ein Produkt mit der DOT-Codierung 5213 ist bekanntlich in der 52. Woche des Jahres 2013 hergestellt. Zahlreiche Stammtischmitglieder würden die Annahme eines solchen Reifens im gesamten Jahr 2016 in der tiefen Überzeugung verweigern, dass ein derart alter Pneu nicht als Neuteil verkauft werden darf, zumindest nicht an Insider. Leider werden diese Ratschläge zur Verunsicherung vieler Fahrzeugbesitzer oft mit dem Hinweis erteilt, bereits montierte Bereifung wieder umzutauschen.

Tatsächlich ist die Rechtslage anders. Juristisch muss bei einem Reifenkauf zwischen dem Zustand "fabrikneu" und "Neuware" unterschieden werden. Hier gilt gegenwärtig: als "fabrikneu" darf ein Fahrzeugreifen bis zu einer Lagerzeit von drei Jahren verkauft werden. Als "neu" gilt er sogar bis zu einer Lagerzeit von fünf Jahren.

Die allgemeine Rechtsprechung stützt sich dabei auf die Annahme von Gutachtern, dass in einem Autoreifen bis zu einer Lagerzeit von drei Jahren keine "physikalischen Veränderungen" vorgehen.

Wer dennoch möglichst "junge" Bereifung wünscht sollte das dem Reifenhändler seines Vertrauens frühzeitig mitteilen. Einen Rechtsanspruch auf wenige Wochen alte Bereifung gibt es nicht.

 

 

In Sommerreifen sorgt eine Stickstofffüllung für Dichtheit und Kraftstoffeinsparung.

Zahlreiche Fahrzeugbesitzer weisen ihre besonderen Fachkenntnisse durch grüne Ventilkappen ihrer Reifen aus. Die Autoreifen sind mit dem Gas Stickstoff gefüllt. dadurch wird angeblich eine besondere Dichtheit des Reifens erzeugt und gleichzeitig der Abrollwiderstand gesenkt. Im Vergleich zu Sauerstoff sind die Stickstoffmoleküle größer, folglich können sie schwerer durch kleine Öffnungen entweichen Für eine Stickstofffüllung wird im Fachhandel gerne bis zu drei Euro berechnet.

Bedenkt man jedoch die Tatsache, dass die uns umgebenden Außenluft bereits zu 78% aus Stickstoff besteht und im Inneren eines Fahrzeugreifens technisch bedingt nur bis zu 90% Stickstoff eingepresst werden können, ist der Effekt bereits theoretisch recht gering. In der Praxis hat er sich nie merkbar ausgewirkt.

Im Sommer darf ich keine Winterreifen verwenden.

Auch diese Einschätzung gehört in den Bereich der Legenden. Gesetzlich geregelt ist nur der umgekehrte Fall, also die Verwendung bestimmter Bereifung bei winterlichen Straßenverhältnissen. Eine "Sommerreifen-Pflicht" kennt der Gesetzgeber nicht. Davon trennen muss man haftungsrechtliche Aspekte. Hier muss eine Versicherung prüfen, ob ein Fahrzeughalter- oder Führer grob fahrlässig gehandelt hat, als er im Sommer Winterreifen statt Sommerreifen verwendet hat. Anders als bei Verwendung von abgefahrenen "Schlappen" oder solchen der falschen Größe wird hier im Allgemeinen nicht von grober Fahrlässigkeit ausgegangen.

Eine gute Wahl ist Winterbereifung im Sommer dennoch nicht, sie dürften in den meisten Fällen den Bremsweg vergrößern, schneller verschleißen und den Geräuschkomfort verschlechtern. Sie sind aber nicht verboten.

 

Fazit:

Zum Thema Auto wird in Deutschland viel und heiß diskutiert, das gilt natürlich auch für das Thema Reifen.
Die Diskussion um die Auswahl des richtigen Pneus dürfte in der Intensität nur noch durch Gespräche über den besten Fußballverein übertroffen werden. Ähnlich ist die große Anzahl von Fachleuten im Besitz der einzig gültigen Wahrheit.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die allgemein fortschreitende Entwicklung von Technologie und Werkstoffen auch vor der Reifenindustrie nicht halt gemacht hat. Die verwendeten Fertigungsmethoden, die zugrundeliegenden Testverfahren sowie die Weiterentwicklung geeigneter Prüf- und Messverfahren haben dazu beigetragen, immer bessere Produkte auf den Markt zu bringen. Die Endverbraucher sind ihrerseits bestens vernetzt, tauschen sich im Internet über Produkte aus und haben so den Druck auf die Hersteller erhöht. Fachzeitschriften und Internetforen tun ein Übriges, um die Ansprüche der Kunden an Qualität und Leistungsfähigkeit von Autoreifen auf ein hohes Niveau zu heben.

Wer sich im Freundes- und Bekanntenkreis, unter Arbeitskollegen oder in einschlägigen Internetforen informiert, wird feststellen, dass bei Produkten selbst im unteren Preissegment das Risiko des Totalausfalls nahezu bei null liegt. Großartige Unterschiede in der Performance registrieren lediglich tief in die Materie vergrabene Cracks, meist geht es um Verbrauchseinsparungen in der ersten oder zweiten Dezimalstelle oder Unterschiede im Bremsschlupf bei einer Bremsung von 280 km/h. Dieser Personenkreis findet im Internet oder in Fachzeitschriften die notwendigen Informationen, um ein seinen Ansprüchen genügendes Produkt zu finden. Dieser Personenkreis wird die dafür nötige Zeit aufwenden und vermutlich auch den Effekt registrieren.

 

Für den überwältigenden Teil der Autofahrer gilt jedoch: wer sich in einer Fachwerkstatt die für ihn zulässige Rad-Reifenkombination anbieten lässt und dabei zwei oder drei Angebote einholt, wird hochwertige Sommerreifen erhalten, die das Ergebnis aufwändiger Versuche und der Erfahrung von Fachleuten sind, welche auf einem hart umkämpften und bestens beobachteten Markt agieren. Radgröße und Reifen-Dimension sind in die Gesamtkonstruktion des Fahrzeugs unter besonderer Berücksichtigung des Fahrwerks und der Fahrassistenzsysteme wie ABS, ESP etc. integriert.